Impliziter Assoziationstest Fragen und Antworten

FAQ

1. Was genau misst der Test?

Dieser Implizite Assoziationstest (IAT) misst die Stärke der impliziten Assoziationen zwischen sozialen Kategorien (in unserem Test (Schwarze Menschen und Weiße Menschen) und den Bewertungen (gut und schlecht). Anhand der Reaktionszeiten wird das Ergebnis ermittelt. Interessierten soll damit die Möglichkeit gegeben werden, ein besseres Verständnis über ihre eigenen, manchmal nicht bewussten, Verknüpfungen zwischen einzelnen Elementen in ihrem Gedächtnis zu erhalten.

Das Ergebnis kann von Umgebungsfaktoren beeinflusst werden, z. B. wie laut es in deiner Nähe ist oder ob du während des Tests abgelenkt oder müde warst. Auch der Test selber hat eine gewisse Messungenauigkeit. Daher empfehlen einige Forscherinnen und Forscher, mehrere Tests durchzuführen und deren Ergebnisse zu mitteln. Auch dann handelt es sich bei dem Testergebnis letztlich aber um eine Momentaufnahme. Für den Zweck der Kampagne steht aber die Selbsterfahrung im Vordergrund. Daher wird direkt das Ergebnis aus einem einzigen Test präsentiert.

Dieser Selbsterfahrungstest orientiert sich am Harvard-IAT „race“ (Schwarz-Weiß-IAT). Der Harvard-IAT basiert auf einer Studie von Prof. Dr. Greenwald und wurde vom Project Implicit entwickelt. Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund findest du hier:

2. Was bedeutet implizit und woher kommen „implizite Assoziationen“?

Implizit meint hier vor allem spontane Reaktionen, die schwer willentlich zu kontrollieren sind und einem manchmal gar nicht bewusst sind. Solche impliziten Assoziationen müssen auch nicht mit den eigenen Überzeugungen und Werten übereinstimmen, sondern spiegeln eher wider, wie diese Kategorien im Gedächtnis miteinander verknüpft sind. Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen expliziten Einstellungen („Für mich sind alle Menschen gleich viel wert“) und impliziten Assoziationen (IAT-Ergebnisse) weit schwächer, als man erwarten würde. Wenn nun aber implizite Assoziationen nicht unbedingt Ausdruck der eigenen Überzeugungen und Werte sind, woher kommen sie dann?  Sie werden durch die Gesellschaft und Kultur, in der wir leben und aufwachsen, gelernt – durch wiederholtes gemeinsames Auftreten (z. B. im Kinderreim „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“), durch Beobachtung (z. B. die Darstellung in den Medien) und eigene Erfahrungen. Implizite Assoziationen sind stark kontextabhängig und kulturell geprägt: Ändert sich unser Erfahrungsraum, ändern sich auch unsere impliziten Assoziationen. In den meisten Situationen sind wir in der Lage, unsere spontanen Reaktionen zu überdenken und abzuwägen, weitere Informationen heranzuziehen und unsere spontane Reaktion mit unseren Überzeugungen und Werten abzugleichen. Schließlich kann die Bewusstmachung impliziter Assoziationen und spontaner Reaktionen helfen, unser Erleben und Handeln besser zu verstehen und anzuerkennen, dass kein Mensch frei von Vorurteilen und Vorlieben ist. In diesem Sinne hoffen wir, dass die Selbsterfahrung mit dem IAT möglichst viele Menschen für die Verbreitung und Wirkmächtigkeit impliziter Assoziationen sensibilisiert und somit zeigt, wie subtil sich Vorurteile gegenüber Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder ihres Aussehens Opfer von Herabwürdigung oder Anfeindung werden, ihren Weg bahnen. 

3. Ich bin mit meinem Ergebnis nicht einverstanden

Der IAT auf dieser Website liefert keine allgemeingültigen Aussagen, sondern dient der Selbsterfahrung. Der Test ist ein Messinstrument, um individuelle Unterschiede in impliziten Kognitionen zu erfassen. Bei diesem Test geht es um implizite Assoziationen. Der Test ermittelt keine „wahren“ Einstellungen oder Vorurteile. Die impliziten Assoziationen können sogar im Widerspruch zu dem stehen, was jemand bewusst und explizit denkt. Das heißt, dass du nicht automatisch voreingenommen bist oder Vorurteile hegst, nur weil der Test eine Präferenz ausgibt. Aber das Testergebnis kann dir als wertvolle Erfahrung dienen: Es gibt solche spontanen und nicht willentlich beeinflussbaren Präferenzen und du kannst dich damit auseinandersetzen und aktiv werden.

Weitere Informationen über die Messgenauigkeit des Tests (die sogenannte Reliabilität) findest du bei Nosek, Greenwald, & Banaji, im Druck. Weitere Informationen über die Verzerrung von impliziten Einstellungen und Stereotypen findest du bei Blair, 2001.

4. Unterscheidet sich dieser Test vom original Harvard-Test?

Für diese Website wird der lizenzierte Harvard-IAT verwendet. Im Unterschied zum IAT an der Harvard-Universität wird hier keine Studie durchgeführt, insofern wurden soziodemografische Fragen ausgelassen. Es werden keinerlei Daten erhoben.

Dieses FAQ wurde gemeinsam mit dem BMFSFJ und dem DeZIM erarbeitet. In diesem Zusammenhang möchten wir uns bei Frau Dr. Veit bedanken, die uns hierbei in beratender Funktion unterstützt hat.

Weitere Informationen zu Project Implicit findest du hier (externer Link).