Rassismus in Deutschland

Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland. Es reicht von Mikroagressionen, über Alltagsrassismus und rassistische Diskriminierung bis hin zu Gewaltübergriffen rechtsextremistischer Gruppen und Einzelpersonen gegen Menschen aufgrund der ihnen zugeschriebenen oder tatsächlichen Herkunft, ethnischen Zugehörigkeit oder Religion.

64% der Deutschen finden, dass Rassismus in Deutschland ein großes oder sogar sehr großes Problem ist.1 

Und auch diverse Daten aus der Wissenschaft, aus offiziellen statistischen Erhebungen sowie aus der engagierten Zivilgesellschaft zeigen auf: Rassismus ist ein echtes Problem in Deutschland.

So wurden laut Statistik des Bundeskriminalamts zu politisch motivierter Kriminalität (PMK) im Jahr 2019 1.898 antisemitische und 856 islamfeindliche Straftaten registriert, die einen rechtsextremistischen Hintergrund hatten. Hinzu kommen 121 rechtsextremistisch motivierte Angriffe auf Asylunterkünfte.2 Darüber hinaus registrierte der Bundesverband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt für das Jahr 2019 alleine in acht Bundesländern 1.347 rechtsextreme, rassistische oder antisemitische Angriffe.3 Auch hat sich der Anteil der Beratungsanfragen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die zu Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft oder rassistischer Zuschreibung gestellt wurden, zwischen den Jahren 2015 und 2019 auf mittlerweile 33% der Gesamtanfragen gesteigert und sich damit mehr als verdoppelt.4

Zugleich zeigen uns Erhebungen zu Einstellungen in der Bevölkerung, dass 60% der deutschen Bevölkerung der Aussage zustimmen, dass Sinti und Roma zu Kriminalität neigen. Neben asylsuchenden Menschen ziehen gerade Sinti und Roma laut dieser Studie die meisten Aggressionen auf sich: 56% der Befragten geben an Probleme mit Sinti und Roma in ihrer Nachbarschaft zu haben und jeder zweite Befragte (49,2%) will Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannen.5

Nicht zuletzt treten in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie anti-asiatischer Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Verschwörungsdenken offen zutage.6

Dabei sind es aber nicht nur die offenen Gewalttaten, die zeigen, dass Rassismus ein großes Problem in Deutschland ist: Mehr als ein Viertel der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden erlebten laut Befragung der Europäischen Grundrechteagentur (FRA) aus dem Jahr 2018 antisemitisch motivierte Belästigung.7

Rund ein Drittel der Schwarzen Bevölkerung in Deutschland berichtet, in den letzten fünf Jahren beim Zugang zu Wohnraum rassistisch diskriminiert worden zu sein.8

Auch der Blick in den jüngsten Bildungsbericht offenbart: Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationserfahrung haben häufiger das Nachsehen. Sie wachsen überproportional häufig mit sozialen, finanziellen oder bildungsbezogenen Risikolagen auf und besuchen nach wie vor häufiger die Hauptschule, sie verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss und seltener mit der allgemeinen Hochschulreife.9 Sie haben von Anfang an – auch bei gleicher Qualifikation – die schlechteren Chancen auf einen Ausbildungsplatz.10 Und für Menschen mit einem als ausländisch wahrgenommenen Namen sind die Chancen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden um bis zu 24 Prozent geringer.11

Obwohl diese Beispiele deutlich machen, dass Rassismus ein echtes Problem ist, gibt es in Deutschland bisher keine umfangreiche Rassismusforschung, die diese Daten auf eine breit angelegte wissenschaftliche Basis stellen könnten. Für die jeweiligen Bereiche gibt es jedoch erste Ansätze eine solche zu schaffen. Den Anfang haben in den Jahren 2011 und 2017 die Unabhängigen Expertenkreise Antisemitismus mit ihren Berichten zu Antisemitismus in Deutschland gemacht.12 Weitergeführt wird dies derzeit durch das seit 2019 tagende Unabhängige Antiziganismusgremium13 sowie durch den in diesem Jahr neu eingesetzten Unabhängigen Expertenkreis zur Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit.14

Darüber hinaus hat der Deutsche Bundestag 9 Millionen Euro für den Aufbau eines Diskriminierungs- und Rassismusmonitorings bereitgestellt, der als wiederkehrende Betroffenen- und Bevölkerungsbefragung, die Erhebung von repräsentativen Daten sowie die Auswertung von Beratungsdaten gewährleistet.

Am 25. November hat der Kabinettausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus beschlossen, den in der Entstehung befindlichen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor dauerhaft zu fördern.

Der am Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) aufzubauende Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) wird dauerhaft über rassistische und vorurteilsgeprägte Einstellungen in der Bevölkerung berichten und durch qualitative Forschung die Perspektive der Betroffenen darstellen. Die erhobenen Daten werden in einem jährlichen Bericht veröffentlicht. Der erste Bericht ist Ende 2022 zu erwarten. Die Forschung des DeZIM hat dabei auch das Ziel, Daten zu erheben, die für zukünftige Forschungsprojekte im Themenbereich genutzt werden.

Aber nicht nur in Deutschland werden Initiativen ergriffen, auch die Europäischen Kommission hat im September 2020 einen EU-Aktionsplan gegen Rassismus für die Jahre 2020-2025 vorgelegt, der gesamteuropäische Zahlen zu Diskriminierungserfahrungen aufgrund der ethnischen Abstammung ausweist und die Notwendigkeit des Handelns untermauert.15


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